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Archiv für November, 2006

Kastration oder Sterilisation. Ja / Nein – warum?

6. November 2006 Keine Kommentare

Immer wieder mal werde ich von meinen Kunden daraufhin angesprochen. Ich selbst wurde in der Vergangenheit mit diesen Fragen konfrontiert und habe einige Tierärzte nach Ihren Meinungen gefragt. Jedoch musste ich am Schluss nach meiner eignen Überzeugung handeln. Dazu fachliche Informationen im Internet zu finden, ist nicht leicht. Polemisch angehauchte Abhandlungen verwirren Betroffene mehr, als sie ihnen helfen die richtige Entscheidung zu finden. Als mich jetzt wieder eine Kundin, Frau Sch., darauf ansprach, entschloss ich mich, meine eigenen Recherchen an dieser Stelle zu veröffentlichen. Ausdrücklich weise ich dabei daraufhin, dass es sich hier um meine persönliche Meinung handelt.

Eigentliche Gründe zu einer solchen Überlegung ist meist beim “Durchschnitts-Hundehalter”:

  • Mein Rüde ist sehr dominant, streunt, nervt durch starke Harnmarkierung und Bespringen.
  • Meine Hündin ist nach jeder Läufigkeit scheinträchtig, ich habe Angst vor Mammotumoren, die Läufigkeit ist sehr unregelmäßig.

Zuerst muss man wissen:
Kastration ist operative Entfernung von Hoden und Eierstöcke.
Sterilisation ist das Unterbinden der Ausführungsgänge der Geschlechtsdrüsen. Bei Hündinnen wird in diesem Fall die Gebärmutter nicht entfernt, sie wird weiterhin Rüden “anlocken” mit allen Folgen – nur trächtig kann sie nicht mehr werden.

Die zwangsläufig nächste Frage wird sein: wann lassen wir das Eine oder Andere vornehmen?

Erfolgt der Eingriff vor der Geschlechtsreife, werden sekundäre Geschlechtsmerkmale ausbleiben. Auch das Wesen des Hundes bleibt teils auf kindlicher Stufe stehen, sie sind sexuell völlig neutral, Libido und Potenz fehlen. Der Hund, egal welchen Geschlechts, wird seiner weiteren psychischen und physischen Entwicklung beraubt. Die Folge ist, dass der Welpe über die Welpenphase geistig nicht hinauskommt.

Alle unsere Entscheidungen bleiben nicht ohne Folgen, so auch hier:
Eine zu frühe Kastration kann zum verspäteten Verschluss der Wachstumsfugen der Röhrenknochen führen. Beim erwachsenen Tier mit zu hohem Körpergewicht folgt daraus vermehrt auftretend Arthrosen.

Auch bei der Empfehlung die Kastration erst etwa nach 1 Jahr bzw. 1,5 Jahren bei Hündinnen, durchzuführen, erwarten uns evtl. weitere Nebenwirkungen, wie Inkontinenz (Harnträufeln) und Neigung zu erhöhtem Hungergefühl, also Gewichtszunahme, Zunahme an Unterwolle oder Deckhaar. Veränderung der Haarqualität.

Die Auswirkungen einer Kastration ist nicht vorausrechenbar. Bei einem sexuell triebstarken Rüdeverhalten muss nicht zwangsläufig eine Milderung eintreten, dagegen kann bei dem schon vorher “ruhigen” Rüden evtl. ein deutlich reduziertes Verhalten festgestellt werden. Es kommt immer auf das Alter des Rüden an, wie er sich verändert. Es ist anzunehmen, je jünger, desto stärker. Wollte man dadurch Dominanz-Aggressivität schwächen, nimmt diese nur mehr oder weniger ab! Wachsamkeit und Schutztrieb bleiben jedoch erhalten, so auch psychische Störungen wie z. B. Angstbeissen! Nicht das ganze Verhalten ist von Hormonsteuerung abhängig.

Eine meiner eigenen Hündinnen starb verfrüht, trotz der Kastration, an einem Herzstillstand! Sie litt an Harnträufeln, aufgrund der Kastration. So ist zu erkennen: eine Kastration kann nicht alle Probleme und Ängste beseitigen.

Bei der gleichzeitigen Haltung von Rüden und Hündinnen, ziehe ich die Kastration des Rüden vor.

Ich hoffe, dass ich durch die Zusammenstellung meiner persönlichen Erfahrung auf diesem Gebiet, meinen Kunden eine kleine Entscheidungshilfe geben kann.

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